Törnbericht
Von Ost nach West durch's Mittelmeer

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Törn 32 - von Othonoi nach Santa Maria de Leuca (Italien)

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Das Wetter ist ruhig und stabil und so heisst es am 5.7.99 ankerauf für Italien!

Trotz traumhafter ruhiger Bucht habe ich schlecht geschlafen, und, da ich im dunkeln eh nicht viel sehe, um es genau zu sagen, ich bin eher blind wie ein Maulwurf, übernimmt es der Skipper, nach dem ablegen alleine zu fahren. Es ist diesig, 0500 morgens, kalt ausserdem und so haue ich mich wieder in die Koje.

Als ich 2 Stunden später wieder den Kopf ins Cockpit strecke, sehe ich meinen Skipper hektisch zwischen Steuer und Radar hin und herrennen und nehme auch die merkwürdig gedämpfte Geräuschkulisse wahr: NEBEL!! Und was für eine Suppe, das hat uns gerade noch gefehlt. Man sieht kaum 50-100m weit, aber dafür tummeln sich auf dem Radar (gelobt sei die Technik!) rund um uns sage und schreibe 8 Dickies, also Berufschiffe im Abstand von 2-8 sm!! Kein Wunder, befinden wir uns doch in der Strasse von Otranto, einem stark befahrenen Schifffahrtsgebiet.

Die Wetterfrösche waren sich insoweit einig, dass das Maximum an Wind für den heutigen Tag sich auf ca. 4 Bft belaufen sollte. Navtex meldet N3, der Deutsche hätte lieber S-SE 3-4, ein anderer hält sich eher raus und murmelt ein verwaschenes Variabel 2-3. Nagut, besser können wir es für die Strasse von Otranto wohl nicht bekommen, aber was dieser Nebel nun soll, ist uns dennoch schleierhaft, das hat uns keiner versprochen.......
Man steht baff im Cockpit und sieht buchstäblich.....nix!!

Der Nebel wallt ums Schiff, alles tropft, incl. Skipper. Wasserversprühend rennt er zwischen Steuer und Radar hin und her und weicht den nur so herumwimmelnden Dickschiffen per Leitstrahl aus. Zu sehen ist nichts, auch Nebelhörner dringen nur dumpf an unsere Ohren.
Aus der Adria steht eine Welle von ca. 0.5m, Der (N-)Wind schwankt zwischen 4 und 9 kn. Der Nebel gaukelt Trugbilder vor: so sehe ich Land, wo definitiv keines sein kann, mal erkenne ich ein Dickschiff und werde vom Radar dafür höhnisch ausgelacht, der mir einen leeren Bildschirm präsentiert.

Die Sonne versucht seit nunmehr 4 Stunden vergeblich durchzudringen, die Nebelsuppe ist nervtötend. Santa Maria di Leuca, DU willst wirklich erkämpft werden. Dem Wetterfrosch der deutschen Welle könnt ich für seine "gute Sicht" glatt den Hals umdrehen!
Die Genua flappt, wir rollen sieein. Klar, kaum ist sie drin, kommen 11kn Wind auf, also wieder raus,......runter auf 4kn Wind,...."flappflapp",.....wieder rein. Na toll, und das alles in gedämpftem, tropfendem Horrorszenario des Nebels in der Strasse von Otranto. Bella Italia, du empfängst uns ungnädig!

Wir gingen ja davon aus, dass nach den ionischen Inseln alles eigentlich nur noch schlechter kommen kann, aber dass es gleich an der Grenze so kommen muss, tsts??
Endlich, um 1017 reisst es etwas auf, die Sonne gewinnt an Kraft und das bisschen Wind kommt, man fasst es nicht, aus NE! Hoffentlich bleibt das so bis Santa Maria.
Denkste,... um 1052 ist die Waschküche dicker denn je und nun, 15 sm vor dem Land tauchen Fischerfahnen und grosse Fischerboote auf, was dem ganzen zusätzliche Spannung verleiht.

Der Skipper sichtet dicht beim Boot einen Hai, als um 1130 mal kurz die Sonne durchkommt, also badengehen sollten wir nun vielleicht nicht.....
Ca. 7 sm vor dem Hafen wird es dann endlich klarer, die Sicht beläuft sich nunmehr ca. 500-800m. Ein junger Schwertfisch springt ca. 1m hoch aus dem Wasser und man hat so das Gefühl, er ist richtig gut drauf, ja es sieht so aus, als grinse und lache er bei der Springerei. Wir überlegen, ob wir umdrehen und die Angel schnell rausgeben, aber,.... haben SIE schon mal einem Schwertfisch ins übergrosse, dunkle, hundetreue Teddybärenauge geblickt???
Wir verwerfen den Plan ganz schnell und lassen Schwertfisch im Meer und des abends dafür die Schinkenkonserve in die Pfanne.

 

Fischer an der Südmole Italien und sein erster Hafen von Griechenland kommend, St. Maria di Leuca sind nach 9,5 Stunden Zitterfahrt erreicht. Es ist, wie sooft, wenn man sich auf ein Wiedersehen freut, eine Enttäuschung!
Vor 3 Jahren , auf dem Weg in die Türkei, liefen wir hier, von Rocella Ionica nach Nachtfahrt gegen einen 8er auf die Nase übermüdet und völlig erschöpft ein und es war das Paradies! Wir konnten mit letzter Kraft längsseits an einen Schwimmsteg gehen und zahlten später pauschal 20,-- DM für 3 Tage.

Nun empfängt uns ein Hafen, reichlich voll mit Hunderten kleiner Motorsportböotchen, die den lieben langen Tag wohl nichts anderes zu tun haben, als mit Vollspeed aus dem Hafen rein und raus zu brettern, dementsprechend schwellig ist es für die Segler, die, an ihren Moorings hängend, die Wellen quer abbekommen.

Der dickste Hund ist aber die Preispolitik: gegen den Zustand von vor 3 Jahren hat sich rein gar nichts verändert, aber der Hafenmeister, ein anderer als damals, verlangt pro Tag 50.900 Lire (ca. 51 DM) und ist zu keinerlei Verhandeln bereit. Er geht lediglich auf 42000 runter, aber auch das pro Tag und nicht pauschal für 3 Tage.

Fischer an der Südmole Noch während wir mit ihm verhandeln entsteht Hektik, das halbe Dorf rennt am Strand zusammen, die Wassercarabinieri düsen mit Sirene und Blaulicht aus dem Hafen. Vor dem Strand treibt etwas orangerotes, es könnte eine Schwimmweste sein. Die "Retter" umkreisen das Objekt minutenlang, bevor sie es an Bord ziehen. Es wird getuschelt, dass jemand ertrunken sei und als ich einen der Einheimischen frage, was denn passiert sei, ernte ich Schulterzucken und ein lapidares "Frau kaputt",......... so kaltschnäuzig, als ertrinke hier jeden Tag eine Frau und als müsse man sich darüber nicht mehr gross aufregen!

Also alles in allem hält uns nicht viel an diesem gastlichen Ort und wir planen die Weiterfahrt für den nächsten Tag.

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(C) 1999 Karin und Friedrich Gerkhardt, Catamaran Veligandu


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